Ein Abend mit Maria Magdalena

Eine Darbietung auf höchstem schauspielerischem Niveau erlebte das Publikum am Mittwoch, 8. April 2026 im Bildungszentrum St. Benedikt Seitenstetten beim Kooperationsprojekt mit dem Theologie Forum St. Hippolyt.

Die Schauspielerin Bianca Farthofer-Gruber begeisterte im Einfrauenstück von Pfarrer Heinrich Wagner mit ihrer Darstellung der Maria Magdalena die zahlreichen Zuschauer. Sowohl Glaubensbotschaft als auch schauspielerisches Können beeindruckten und veranlassten das Publikum zu Standing Ovation.

Bianca schlüpfte in unterschiedliche Rollen und setzte sich dabei mit Personen auseinander, die der bib-lischen Maria Magdalena ihre Prägungen (etwa die der Prostituierten) gaben. Dabei verstand sie es hervorragend, diese Prägungen partiell zu entkräften. Ein großes Lob gebührt in diesem Zusammenhang dem Verfasser des Stückes, der als versierter Kenner der Umstände rund um die biblische Maria von Magdala ersichtlich wurde.

Im Zentrum des Schauspiels stand wiederholt die Aussage: „Ich habe den Herrn gesehen“ (Joh 20, 18), mit der sich Maria Magdalena als Apostelin legitimierte. Auch der Apostel Paulus verteidigte später seine Stellung als Apostel mit dieser Formulierung (1Kor 9,1).

Nach einer kulinarischen Stärkung und angeregten Gesprächen folgte das Publikum mit großem Interesse den wissenschaftlich vielschichtig angelegten Ausführungen zu Maria Magdalena von Dr. Andrea Taschl-Erber, die an der Katholischen Privatuniversität Linz im Bereich der neutestamentlichen Bibelwissenschaft tätig ist. Frau Taschl-Erber brachte neben den biblischen Zeugnissen zur Person der Maria von Magdala Ausschnitte aus apokryphen Schriften sowie aus Dokumenten der Kirchenväter zur Sprache. Sie messen dieser Frau aus dem Umfeld Jesu unterschiedliche Bedeutung zu.

Die biblischen Zeugnisse würden eher „fragmentarische Reflexe der tatsächlichen Rolle von Frauen in der Jesusbewegung und nachösterlicher Gemeinschaft“ zeigen, „die Evangelien präsentieren allerdings Maria von Magdala als einzige konstant erwähnte Zeugin vom Anfang Jesu Wirkens in Galiläa bis zu seinem Tod am Kreuz“, so Taschl-Erber.

Die Apokryphen gäben eine „breitere und vielstimmigere Überlieferung“ preis. Dort stehe „Maria von Magdala als Symbolfigur für Autoritätsansprüche und Leitungsfunktionen von Frauen“. Sie enthalten „Belege eines frühchristlichen Diskussionsprozesses und einer vielgestaltigen Praxis.“

Die Kirchenväter wiederum beschäftige die Frage, „warum die Ersterscheinung Jesu und der erste österliche Verkündigungsauftrag ausgerechnet einer Frau (bzw. Frauen) zuteilwurden, angesichts des darin zu Tage tretenden Widerspruchs zu den herrschenden kirchlich-sozialen Strukturen (vor allem wenn sich daraus konkrete Ansprüche für Frauen ableiten lassen).“

Dem sei jedoch die biblische Gestalt der Jüngerin und Apostelin entgegenzuhalten, die ihren Auftrag zur Verkündigung erfüllt hat, so die Referentin abschließend.

Der rundum gelungene Veranstaltungsabend gewährte unterschiedliche interessante Einblicke zur Apostelin Maria Magdalena, die das Publikum mit großer Anerkennung honorierte.